Stillgeschichte einer Hebamme

Stillgeschichte Mandy

Ich bin Mandy, Hebamme und Mutter von drei kleinen Kindern und stille jetzt seit fast 70 Monaten mit einer Unterbrechung. Dass ich stillen werde stand schon alleine von Berufs wegen immer fest, genauso wie dass ich zuhause gebären möchte. Dabei habe ich mir wenig Gedanken im Vorfeld gemacht, was denn wäre, wenn es nicht klappt. Aber auch mit ordentlich Vorwissen, was das Stillen angeht, gab es immer wieder Höhen und Tiefen.

Schon am dritten Tag meiner Stillreise befand sich eine der größten Hürden: das Kind wollte nachts partout nicht mehr aus der von „Milcheinschuss“ viel zu prallen Brust trinken und schrie sie stattdessen nur an. Widerwillig holte ich ein Stillhütchen aus meinem Hebammensortiment, wohl wissend, dass dies oft mehr Fluch als Segen bedeutet.

➡️ Brusthütchen sind ein Hilfsmittel. Nicht mehr und nicht weniger. Und nicht für jedes Stillproblem geeignet. Oft werden sie bei wunden Mamillen eingesetzt. Da die Ursache aber oft im Anlegen liegt, können sie weiterhin verletzt werden. Es ist immer wichtig, dass wir die Ursache finden und diese beheben. Leider bringen Brusthütchen auch so ihre Nachteile mit. Wusstest Du z.B.:
Da kein direkter Hautkontakt möglich ist,  kann der Milchspendereflex gestört und weniger Milch produziert werden. So kann es zu einer verlangsamten Gewichtszunahme kommen. 
Der Speichel des Kindes verrät der Brust, was sie „zugeben“ soll (Stichwort Antikörper, etc.), ohne Kontakt schwierig. 
Sie müssen korrekt angewendet werden und richtig passen, sonst droht die Gefahr einer Infektion oder Verletzung der Mamille. 
Daher bei der Anwendung darauf achten: vor Gebrauch Hände waschen oder desinfizieren sowie das Brusthütchen desinfizieren oder sterilisieren. ⬅️

Zu meinem großen Glück schrie das Kind bei dem Anblick noch viel mehr und es kam nie zum Einsatz 😉

Später war es das schlechte Gewissen, als wir dem selben Kind am 5. Tag schon einen Schnuller gaben, statt wie der ursprüngliche Plan war frühestens am 14. Tag. Aber dieses Kind brauchte das Dauernuckeln wie später kein anderes. Ich sag mal so, er ist jetzt in der Schule und hat inzwischen schon sehr lange keinen Schnuller mehr.

➡️ Der Schnuller ist auch ein Hilfsmittel, was durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Mir ist es immer wichtig über seine Nebenwirkungen und den richtigen Gebrauch aufzuklären. Hier habe ich bereits über ihn geschrieben. ⬅️

Weiter gings mit dem Raynaudsyndrom, aber auch das war irgendwann einfach vorüber, obwohl ich nur etwas Magnesium genommen hab und geguckt hab, dass die Brustwarzen warm bleiben.

➡️ Das Raynaud-Syndrom ist eine Gefäßerkrankung, die sich durch wiederkehrende Anfälle von vermindertem Blutfluss in den kleinen Arterien manifestiert, hauptsächlich in den Fingern und Zehen. Diese Anfälle führen zu Farbveränderungen der Haut, von Weiß über Blau bis hin zu Rot, begleitet von Schmerzen und Taubheitsgefühlen.

Stillende Frauen mit Raynaud-Syndrom können während des Stillens Schmerzen in den Brustwarzen erleben, da die Blutgefäße in der Brust betroffen sind. Die Auslöser für Raynaud-Anfälle können Kälte, Stress und emotionale Belastungen sein, und es ist wichtig, diese Auslöser zu identifizieren und zu meiden. Das Raynaud-Syndrom kann auch das Stillen beeinflussen. ⬅️

War unangenehm und ich würde lügen, wenn ich sage dass es nie weh getan hat. Aber es ging vorüber und auch das habe ich geschafft! Yeah!

Bei Kind 2 habe ich den Raynaud wider Erwarten nicht mehr gehabt, dafür einen schmerzhaften Milchspendereflex über viele Wochen. Schmerz wegatmen kann ich zum Glück!

➡️ Der Milchspendereflex kann in den ersten Tagen sehr schmerzhaft sein oder auch gar nicht zu spüren. Es gibt so viele Möglichkeiten wie es Babies und Brüste gibt. Mehr über den Milchspendereflex liest Du hier. ⬅️

Und Kind 3 hat in den ersten Tagen nur den Kiefer zusammengekniffen, wir schon Termine bei speziellen Therapeuten und wegen Zungenbändchen und Co. zur Abklärung vereinbart. Als die Hebamme (ja auch Hebammen brauchen Hebammen!) dann bemerkte, dass der Nabelrest ja immer noch dran sei, was ja bei Hausgeburten doch eher ungewöhnlich ist, dass das so lange dauert. Und dass ich vielleicht mal mit meinem Kind sprechen könnte, dass es den jetzt loslassen darf. Und was soll ich sagen – wenige Stunden später war der ab und das Kind hat wunderbar getrunken und tut das bis jetzt mit 2,5 Jahren und einer ordentlichen Menge an Zähnen im Mund (sie hat übrigens gar keinen Schnuller gebraucht). Sie weiß inzwischen ganz genau, wann sie Milch möchte und sagt das auch unmissverständlich („Lali Mimi!“).

Stillen kann so viel sein: unglaublich intim, super kuschelig, schmerzhaft, mega gesund für Mutter und Kind, Kräfte zehrend, überfordernd, praktisch,…

Auch ich habe mehr als einmal darüber nachgedacht, das Handtuch zu werfen. Doch Fläschchen zu geben. Gehindert haben mich wohl mein eigener Stolz und vor allem meine Faulheit, nachts aufzustehen, in die Küche zu laufen (im letzten Haus waren da zwei Stockwerke dazwischen! Zwei!!) und so ein Fläschchen zu machen. Hat sich doch eine Bekannte genau dabei des Nachts die komplette Brust verbrüht. Also hab ich weiter gestillt, denn Fläschchen machen kann auch weh tun.

➡️ Vielen Dank für das Erzählen Deiner Geschichte!