„Stillen tut nicht weh!“ – Ein besonderes Interview zum Thema Schmerzen beim Stillen

„Stillen tut nicht weh!“ Ja am Ar*** werden sich nun einige denken, ich inklusive. Halleluja hatte ich Schmerzen beim Stillen des ersten Kindes. Ich wollte alle 2 Stunden einfach aufhören. Man bringe mir die Flasche, ich kündige. Aber irgendwie wollte ich das ja auch nicht. Ich wollte stillen. Und aufgeben an sich ist nicht so mein Ding, wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe. Also habe ich einiges getan, durchgehalten und am Ende zwei Jahre glücklich gestillt. 

Stillen wird sozial erlernt. Auch wenn wir immer noch oft denken, es sei doch ganz natürlich und klappt einfach. Tut es aber leider nicht immer. Und da ist mir als Stillberaterin einfach super wichtig zu sagen:

DU MUSST KEINE SCHMERZEN BEIM STILLEN AUSHALTEN! 

Ja, ein kleiner Ansaug-Schmerz am Anfang ist ok, sollte sich aber mit der Zeit geben. Mit Zeit meine ich die ersten Tage, vielleicht auch die ersten zwei drei Wochen. Ein Ziehen spüren viele, wenn der Milchspendereflex einsetzt. Auch das ist ok. Alles andere nicht. Dann ist es Zeit Dir konkrete Hilfe zu holen. 

In Deutschland geben 82% an, dass sie ihr Kind stillen wollen. Aber nur 34% stillen noch, wenn das Baby 4 Monate alt ist. Schmerzen sind die häufigste Ursache für frühzeitiges Abstillen. Und hey – das kann ich vollkommen verstehen. Aber es gibt Hilfe! Niemand muss leiden und “da durch”.

Ursachen von Schmerzen beim Stillen

Ursachen für Schmerzen beim Stillen können z.B. sein: 
Falsches Anlegen, es ist zu wenig Brust im Mund 
Das Baby saugt ungünstig 
Starker Milchspendereflex 
Milchstau 
Milchbläschen 
Mastitis (Brustentzündung) 
Soor (Pilzinfektio)
Orale Restriktionen (z.B. zu kurzes Zungenband) 
Verletzungen an der Brust (z.B. durch Milchpumpen, falsches Anlegen) 
Falsche Verwendung von Brusthütchen 
Vasospasmus (Gefäßkrämpfe in der Brust/ Mamille) 
Infektionen 
Wiedereinsetzen des Zyklus 

Für jeden Punkt findet eine kompetente Stillberaterin mit Dir gemeinsam eine Lösung. Auch ich bin gerne für Dich da!

Eine Stillgeschichte Zum Thema Schmerzen.

Henriette ist Illustratorin, Filmemacherin und hat zwei Leben erschaffen. Ich habe Henriette auf Instagram kennengelernt und liebe ihren Film über das ehrliche Wochenbett. Auch ihr neustes Projekt concept of a happy mom supporte ich von Herzen gerne, weil es oft die Gedanken meiner Beratungsfamilien (und auch meine eigenen) Zum Thema Leben mit Kindern widerspiegelt. Heute erzählt Henriette uns aber von ihrer Stillgeschichte und dem Thema Schmerzen. Das Bild oben ist aus ihrem Wochenbettfilm und ich darf sie für diesen Beitrag verwenden! Herzlichen Dank! Denn eindrücklicher kann man eine Überschrift, glaub ich, nicht darstellen.

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Liebe Henriette, sag mal, wie kam es dazu übers Wochenbett einen Film zu machen? Wann kam die erste Idee dazu? 

Meine künstlerischen Projekte sind meistens autobiografisch. Ich beschäftige mich mit Themen, mit denen ich in Verbindung stehe. Damals in meinen Zwanzigern, während meiner Diplomarbeit ging es beispielsweise ums Feiern und um Techno. Und als ich dann Mama geworden bin, hat mich plötzlich dieses Thema sehr bewegt. Ich empfand die erste mit Zeit mit Baby als sehr überwältigend und emotional. Es prasselten so viele Eindrücke auf einmal ein, dass mir direkt klar war, dass ich diese Geschichten einfangen und künstlerisch verarbeiten muss. 

Anhand Deiner Illus könnte man meinen, Du hast ein Stilltagebuch gezeichnet anstatt geschrieben. Entstanden sie wirklich während des Stillens oder eher hinterher? 

Obwohl das Illustrieren eine meiner großen Leidenschaften ist, hatte ich während der Elternzeit, besonders im Wochenbett gar keine Nerven zu zeichnen. Und so dokumentierte ich mir erstmal meine ganzen Gedankenschnipseln in mein Handy. Als ich dann wieder am Schreibtisch saß, habe ich aus diesen Notizen Illustrationen und Skizzen für meinen Animationsfilm entworfen.

Wenn Du Deiner Stillzeit einen Filmtitel geben müsstest – wie würde der lauten? 

Und täglich grüßt das Murmeltier.

Thema Schmerzen. Finde ich ja mega wichtig und richtig krass schlimm. Also zum einen ist es der häufigste Grund zum Abstillen und zum anderen ist es so krass, was Stillende teilweise aushalten. Ich selbst hatte auch mehrmals in meiner Stillgeschichte Schmerzen. Aber Halleluja! Ich werde oft erst angerufen, wenn die Grenze schon 7x überschritten wurde und leide immer gleich mit. Deine Schmerzillustration im Wochenbettfilm fand ich direkt mega. Wie kam es zu der animierten Schmerz-Illu? 

Wenn man so mit Baby im Bett liegt und jemand einen besucht, dann sieht man ja irgendwie nicht direkt, dass nach der Geburt sehr viel weh tun kann. Diese Schmerzen haben mich an diversen Körperstellen täglich begleitet. Ich dachte mir bei Besuchen ganz oft: „Krass, alles tut mir weh, aber keiner kriegt es mit, weil das Baby so niedlich ist.“ Deshalb war es mir wichtig, dies auch in meinem Kurzfilm unterzubringen. Bevor ich Mama geworden bin, war mir nicht klar, wieviele Salben, Pflaster, Auflagen und Tinkturen gegen jegliche Schmerzen und Probleme aller Art mein Mann mir aus der Apotheke besorgen würde.

Was hat Dir geholfen aus den Schmerzen raus zu kommen?

Zeit. 

Wie begann Deine Stillgeschichte? 

Ich hab mich überhaupt nicht aufs Stillen vorbereitet und werde nie das erste Andocken im Kreißsaal vergessen. Nach der Geburt drehte sich dann plötzlich alles nur noch ums Stillen, weil ich wochenlang starke Schmerzen hatte und ich mir großen Druck im Zusammenhang mit der Gewichtszunahme meines Babys machte. Mir viel das Stillen in der Öffentlichkeit extrem schwer, da alles immer nicht richtig geklappt hat. Wenn dann noch mein Baby rumschrie und ich herumgeschwitzt hab, war game over. Die ersten drei Monate kreisten meine Gedanken nur darum, wie lang es her ist, dass ich gestillt habe, welche Seite dran ist und in welcher Position es nun am besten klappt bzw. am wenigsten schmerzt.

Wer hat Dir geholfen, Dich unterstützt & wie?

Meine Hebamme Sabine war extrem geduldig und war für mich da. Sie hat meine Probleme ernst genommen und hat mich gesehen. Wir hatten den gleichen Humor, was mir in schwierigen Zeiten geholfen hat. Humor hilft mir, mich in einer miserabel empfundenen Situation von Außen zu betrachten, um dann schon in dem Moment darüber auch lachen zu können. Ich weiß nicht, was ich ohne Sabine gemacht hätte. 

Was war Dein schönster, bewegendster Moment in der Stillzeit? 

Der schönste Moment war der, als ich beim Abstillen meines ersten Kindes realisierte, dass ich Frieden mit dem Stillen schließen konnte. Obwohl ich mehrere Monate solche Probleme und Schmerzen mit dem Stillen hatte, hab ich zum Ende hin eine schöne Stillbeziehung mit meiner Tochter entwickeln können. Als ich dann mein zweites Kind bekam, konnte ich da direkt anknüpfen. Ich konnte meinen ganzen Erfahrungsschatz aus der ersten Stillzeit für mein zweites Baby anwenden, was sehr hilfreich war.

Was hättest Du gerne vorher gewusst? 

Im Krankenhaus habe ich Zettel und Stift zum Dokumentieren des Stillens bekommen. Wann war welche Brust dran? Wie lange wurde gestillt? Wie groß sind die Stillabstände? Ich habe mich davon sehr beeinflussen lassen und wünschte mir, dass ich direkt ein Gefühl für das Stillen nach Bedarf gehabt hätte. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, habe ich viel zu oft erstmal auf die Uhr geschaut, anstatt mein Baby anzuschauen, um herauszufinden, was es jetzt braucht. 

Was möchtest Du jeder Schwangeren gerne sagen? Dein Geheimtipp für die Stillzeit?

Hör auf deine Intuition – Mama knows best!

Vielen Dank für Deine offenen und ehrlichen Worte!