Stillgeschichte: Brusthütchen, Pumpen und Zufüttern mit Happy End

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Hallo Ramona!

Vielen Dank für die Möglichkeit, meine Geschichte zu erzählen! 🙂 Ich hoffe, dass sie vielleicht ein paar Mamas erreicht, die sich ähnlich fühlen, wie ich damals und ihnen die Zuversicht geben kann, dass am Ende alles gut wird!

Viele liebe Grüße!
Melli 

Hallo, ich bin Melli und vor fast genau einem Jahr ist meine kleine Tochter zur Welt gekommen.

Wenn Du Deiner Stillzeit eine Überschrift geben müsstest, welche wäre es?
Wenn ich meiner Stillzeit eine Überschrift geben müsste, dann wäre es “Das Happy End”.

Was hast Du vor der Geburt über das Stillen gedacht und gewusst? 
Ich war schon immer eher etwas verklemmt, was meinen Körper angeht. Ich war mir zwar sicher, dass ich mein Kind stillen wollte, aber nicht, wie lang. Ich bin davon ausgegangen,  dass ich mich damit unwohl fühlen, aber es meiner Tochter zuliebe machen würde.

Hast Du Dich vorbereitet, wenn ja wie? 
Ich hatte in meiner Schwangerschaft viele Sorgen und Probleme, weshalb ich mir nicht auch noch den Kopf über das Stillen zerbrechen wollte. Ich dachte mir, dass die Natur vorgesehen hat, dass quasi jede Mutter ihr Kind stillen kann, also würde die Natur auch regeln, dass ich das hinbekomme. Leider war dieser Gedanke in der Rückschau betrachtet etwas zu naiv.

Was war Dir wichtig im Vorfeld? 
Ab einem gewissen Punkt wurde es für mich oberste Priorität, mein Kind stillen zu können. An dieser Stelle muss ich etwas ausholen:

Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, um schwanger zu werden. Mit jedem Monat, in dem der Test wieder negativ war, fühlte ich mich in meinem Körper schlechter und schlechter. Doch dann, als ich gar nicht mehr damit gerechnet hatte, war da endlich der zweite Strich auf dem Test.

Mein Mann und ich waren überglücklich und ich nahm mir fest vor, die Zeit mit dem kleinen Wunder in meinem Bauch zu genießen. Leider gingen Wunsch und Realität weit auseinander und immer wieder gab es neue Hiobsbotschaften, weshalb es mir emotional immer schlechter ging. Ich wurde wieder wütend auf mich und meinen Körper. Und als ich erfuhr, dass meine Tochter wegen Beckenendlage mittels geplantem Kaiserschnitt zur Welt kommen musste, war ich ganz unten angekommen. Niemals würde ich einer anderen Mama deswegen einen Vorwurf machen, egal aus welchem Grund sie sich für einen Kaiserschnitt entscheiden würde. Aber ich selbst fühlte mich wie die größte Versagerin. Schon wieder. Deshalb wurde mir das Stillen immer wichtiger. In meinen Augen hatte ich nun so oft versagt, dass ich wenigstens das hinkriegen wollte.

Wie begann Deine Stillgeschichte? 
Als meine Tochter zur Welt kam, wurde sie sofort in ein Handtuch gewickelt und zur Untersuchung gebracht. Mit meinem Mann hatte ich schon vorher besprochen, dass er mit ihr gehen sollte und ich allein im OP bleibe. Während ich zugenäht wurde, wartete ich eine gefühlte Ewigkeit darauf, dass die beiden wieder zu mir kommen würden. Und als es dann soweit war, konnte ich nur die kleine Hand meines Babys halten. Erst, als wir zurück im Kreißsaal waren, wurde mir meine Tochter auf die Brust gelegt. Die Hebamme meinte, dass ich sie nun einmal anlegen sollte. Ich war völlig überfordert, weshalb ich um Hilfe dabei bat. Also schaute sich die Hebamme meine Brust an und sagte: “Das sind ihre Brustwarzen? Können Sie da noch irgendwas machen?”

Irritiert verneinte ich. Sie meinte, dass meine Brustwarzen zu flach sind und dass meine Tochter die nicht finden würde. Also schickte sie meinen Mann los, um Stillhütchen zu holen. Mehr schlecht als recht legte ich meine Tochter an und wurde wenig später in mein Zimmer gebracht. Immer wieder bat ich um Hilfe beim Stillen, aber das einzige, was ich bekam war ein “Ja, das sieht doch ganz gut aus” aus der Ferne. Meine Brustwarzen waren schon nach kurzer Zeit völlig zerstört.

Am zweiten Tag wurde mir gesagt, dass meine Tochter zu viel abgenommen hätte. Ich sollte sie nicht mehr anlegen. Nur noch pumpen und zufüttern.

Also tat ich das. Ich war am Ende. Wieder hatte ich es nicht geschafft. Schon wieder hat mein Körper versagt.

Wer hat Dir geholfen, Dich unterstützt & wie? 
Am zweiten Tag nach der Geburt saß ich weinend im Bett, als gerade die Nachtschwester herein kam, um sich bei uns vorzustellen. Sie fragte mich, was los ist und ich erklärte ihr, dass ich schon seit Stunden pumpte, aber es kam kein einziger Tropfen Milch mehr.

Und das war der Wendepunkt meiner Stillgeschichte.

Sie sagte, dass das auch kein Wunder wäre, wenn ich mein Kind nicht mehr anlegen durfte. Sie nahm sich so viel Zeit. Sie zeigte mir verschiedene Möglichkeiten, wie ich meine Tochter beim Stillen halten konnte. Sie horchte, ob sie saugte und schluckte. Und sie holte mir eine Kanne Tee und Stillhütchen, die mir auch wirklich passten. Ich musste zwar weiter zufüttern, aber konnte das Krankenhaus als stillende Mama mit blutenden Brustwarzen verlassen. Im Wochenbett hatte ich die beste Hebamme, die ich mir hätte wünschen können. Auch sie nahm sich so viel Zeit, mir beim Anlegen zu helfen. Sie gab so viele Hilfestellungen und nach rund einer Woche war ich soweit, dass ich meine Tochter voll stillen konnte. Dafür werde ich auf ewig dankbar sein.

Was hat Dir besonders gut geholfen? 
Ruhe, meine geliebte Hebamme und Silberhütchen! Keine Ahnung, wie das funktioniert, aber die waren meine Rettung.

Deine Stillzeit in drei Worten: 
Schmerzen. Wille. Liebe.

Was war Dein schönster, bewegendster Moment in der Stillzeit? 
Als ich gemerkt habe, dass es tatsächlich funktioniert. Der Höhepunkt war, als ich nach etwa drei Monaten einfach die Stillhütchen weglassen konnte.

Was hast Du absolut nicht so erwartet? 
Dass ein guter Stillstart so sehr von fremden Menschen abhängen kann.

Wie lange magst Du noch stillen? Gibt es ein jetzt schon feststehendes Ende für Dich? 
Meine Tochter liebt es, gestillt zu werden und ich genieße diese Mama-Tochter-Zeit. Ich denke, wir werden erst damit aufhören, wenn meine Tochter es nicht mehr braucht.

Was möchtest Du jeder Schwangeren gerne sagen? 
Nehmt vor der Geburt Kontakt zu eurer Hebamme oder einer Stillberaterin auf. Ganz häufig wird angeboten, dass sie euch auch schon im Krankenhaus besuchen. Ich kenne inzwischen so viele Frauen, die unbedingt stillen wollten und als Fläschchenmama aus dem Krankenhaus kamen, weil sich dort einfach niemand die nötige Zeit für die individuelle Situation nehmen konnte.

Und vertraut auf euren Körper. Vielleicht wird es anfangs schwer, aber nach ein paar schlechten Tagen ist es noch nicht zu spät, die Segel zu drehen.

Was ist Dein Geheimtipp für die Stillzeit? 
Das Credo meiner Hebamme: egal, was passiert, immer weiter anlegen!

Ich wünsche allen (zukünftigen) Mamas alles Liebe für ihre Stillreise! ♡

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